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Biker and Books – Dream-Teams für lange Winterabende

Viele Touren- und Freizeitfahrer denken allmählich daran, die Saison abzuschließen und das Rad oder E-Bike – natürlich frisch geputzt und geschmiert – in den Keller zu stellen. Auf das Thema Rad braucht man trotzdem nicht zu verzichten: Schließlich gibt es auch Fahrrad-Kultur – zum Beispiel Bücher, die zum Schmökern an langen Abenden einladen. Wir stellen dazu verschiedene Literatur vor. Aber Achtung: Es geht hier nicht um Tipps und Tricks oder etwa Repraturanweisungen, sondern um Bücher zum Geniesßen und Staunen.

Wie wäre es im Jubiläums-Jahr des Bikes mit einer Romanbiographie des Erfinders?  „Die abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais“ beschreibt nicht nur die Geburtsstunde des Laufrads, es spiegelt auch die schräge Figur des Erfinders und das ständige Anstoßen des Freigeistes  in der Gesellschaft. Dafür verwendet Autor  Johannes Schweikle einen Trick: Die Erzählerstimme seines Romans ist der nüchtere Fritz, Geselle eines Wagenbau-Meisters, der Drais im Roman auf Ausfahrten begleitet – und so natürlich aus erster Nähe die sozialen Eigenheiten des Erfinders mitbekommt.  Die Geschichte ist teils urkomisch, teils tragisch – weil es wohl die Figur des durch die Weltgeschichte gehetzten Freiherrs auch war. Johannes Schweikle: Die Abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais. Klöpfer und Meyer, 200 Seiten, 20 Euro.

In Der Tod des Weltmeisters von Herbert Friedrich wird ein Kölner Arbeitsloser in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum großen Radsport-Star. Friedrich erzählt die Geschichte des jungen Otto Pagler, dessen Namen er erfunden hat – nicht aber die Figur: Der bereits in den Siebzigerjahren in der DDR erschienene Roman erzählt frei die Geschichte des Kölner Albert Richter. Er war ein Ausnahmetalent, schier unbesiegbar auf der Bahn. Zu einer Zeit, als es in fast jeder großen Stadt Deutschlands Velodrome gab – Radrennbahnen mit ihren schrägen Ovalen, den steilen Kurven, um die sich in den besten Zeiten Tausende von mitfiebernden Zuschauern einfanden. Wettkämpfe hatten eine Anzugskraft wie Volksfeste. Kein Wunder, dass die aufkommenden Nazis sie zu einem Teil ihrer Propagandamaschinerie machten. Aber nicht alle machten mit. Otto Pagler bzw. sein echtes Alter Ego wollte sich nicht für ihre politischen Zwecke ausnzuten lassen. Vor allem sein jüdischer Betreuer war den neuen Herren, die auch und besonders im Sport das Sagen haben wollten, ein Dorn im Auge. Friedrich erzählt also eindringlich die Geschichte Albert Richters. Eine von Sportlichen Wettkampf, Ruhm, Ehre, Aufrichtigkeit und ihren Folgen im Nazi-Regime. Herbert Friedrich, der Tod des Weltmeisters, 444 Seiten, Maxime Verlag, 24,95 Euro.

Genau was der Titel verspricht liefern Die Radfahrer Cartoons. Der Engländer Dave Walker hat sich des Themas nicht zufällig angenommen, das merkt man. Er ist nahezu mit dem Rad verwachsen, daher sind Fahrrad-Zeischriften neben den Guardian, für den er auch gelegentlich zeichnet, die Hauptkunden des freischaffenden Cartoonisten. Im ersten auf Deutsch erscheinenden Buch wird auf 144 Seiten mit seinen typischen leisen Strichen der ambitionierte Radfahrer, aber auch die Verkehrspolitik oder die Fahrradindustrie auf die Schippe genommen. Schön daran ist der schlichte, aber enorm treffsichere  Stil der Zeichnungen. Kann man auch öfter ansehen. Wieder ein Buch, mit dem der auf das Fahrrad spezialisierte Covadonga-Verlag zeigt, wie gut Kunst und Fahrrad zusammenpassen. Covadonga, 144 quadratische Seiten, 12,95 Euro.

Vielleicht um mehr Fahrrad-Fans aller Couleur anzuziehen, hat der Delius-Klasing-Verlag einen grafisch angelegten Band zum Thema Rennradsport gleich breiter benannt und nannte sein Velopedia im Untertitel Die Fahrradwelt in Infografiken. Auch wenn es hierin „nur“ um den Rennrad-Sport geht, eine Sparte, die der Buchautor und The-Telegraph-Journalist Robert Dinieen anscheinend wie seine Westentasche kennt, ist Velopedia eine mindestens so unterhaltsame wie informative Enzyklopädie für jeden Radsportler. Denn das Besondere daran ist, dass die Stichpunkte wie „Unter Schmerzen“, „Aufbau eines modernen Radteams“, „Der Einzel-Sprint“ oder die Karriere von historischen Helden des Radsports geht – immer wird das Wissen ohne viel Brimborium präsentiert, durch die grafische Unterstützung leicht und schnell verständlich. Durch den teils Comic- oder Statistik-artigen Aufbau legt man das Buch auch nach dem Lesen des gesuchten Stichworts nicht aus der Hand – es macht Spaß, weiterzuschmökern. Übrigens: Vielleicht genau das Richtige zur Vorbereitung auf eine Party unter Radsport-Freunden. Deslius-Klasing, 192 Seiten 19,90 Euro. 

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