Aggression im Straßenverkehr? Geschwindigkeitsbegrenzungen!

Wo Radfahrer und Autofahrer aufeinander treffen, sind Aggressionen nicht weit.
Wo Radfahrer und Autofahrer aufeinander treffen, sind Aggressionen nicht weit. c: ADFC/Gerhard Westrich

Auch wenn diese Wahrnehmung nicht neu ist: Jetzt, da die Temperaturen steigen und immer mehr Fahrradfahrer unterwegs sind, wundert man sich doch oft, wie aggressiv es auf unseren Straßen zugeht. Vor allem dort, wo Autofahrer auf Radfahrer treffen. Da wird gehupt, geschrien, gedroht. Und manchmal Schlimmeres. Auf Spiegel Online konnte man vor kurzem in einem Interview mit dem Verkehrspsychologen Bernhard Schlag nachlesen, warum das so ist: Es käme „wesentlich durch die steigende Verkehrsdichte“, meint er.

Je mehr Fahrzeuge auf den Straßen, desto mehr Aggression“


Warum dieses Verhalten gerade zwischen Autofahrer und Radfahrer so heftig ist – denn das kennen wohl die meisten Radfahrer aus der eigenen Praxis – liegt seiner Meinung nach auch an einem speziellen Problem: „Der Streit zwischen Radfahrern und Autofahrern ist ein fundamentaler Ressourcenkonflikt. Radfahrer sind häufig der Meinung, dass ihnen mehr Raum zusteht als vom Straßenbau zugeteilt. Und damit haben sie vermutlich sogar recht.

Nehmen Radfahrer den Autofahrern den Platz weg?

Die Autofahrer befürchten, dass ihnen Raum durch immer mehr Radler genommen wird“, so der Psychologe. Wie wir das sehen, auch zurecht – Radfahren setzt sich zum Glück immer mehr nicht nur als Freizeitaktivität, sondern auch als Mobilitätsalternative durch. Und so beanspruchen auch Radler mehr Raum auf der Straße – eben auch zu Zeiten, an denen sie und andere als Pendler unterwegs sind. Ein interessantes Ergebnis seiner Forschung: Es hilft kaum weiter, wenn man gelegentlich die Perspektive tauscht, wenn also der Radfahrer sich ab und zu ins Auto setzt und damit in die Position des Autofahrers versetzt – oder umgekehrt. Anscheinend fällt es uns schwer, nachhaltig andere Sichtweisen zu verinnerlichen. Wenn wir ehrlich sind, haben wir auch das vielleicht auch schon an uns selbst erlebt. Dazu kommt, dass laut Psychologen Geschwindigkeit die Aggression fördert. Was also machen?

Lösungen gegen Aggression auf der Straße

Zwei Lösungen werden vorgeschlagen: Zum einen die Trennung von Rad- und Autospuren durch das Anlegen separater Radwege, so der Psychologe. Ein Konzept, das stark verbreitet, aber derzeit auch sehr umstritten ist. Andere Verkehrsexperten meinen, dass dadurch an den Schnittpunkten der Streifen nur noch mehr Unfallgefahr entstehe.

Die zweite Lösung zur Verminderung der Aggression im Verkehr – und damit natürlich auch zur Verringerung der Unfallzahlen: „Tempolimits würden helfen“, sagt Schlag. Er verweist darauf, dass die deutsche Vollgas-Mentalität in anderen Länder auf Unverständnis stößt. Laut Schlag sind „zwei Drittel der Autobahnen unlimitiert“, und auch in den Städten müsse die Geschwindigkeit gedrosselt werden.

Tempolimits machen ruhiger

Eigentlich ist es ganz einfach – und das können wir als Autofahrer selbst feststellen: Im 30er Tempolimit verfallen wir deutlich weniger in Hektik, wenn wir hinter Radfahrern her fahren müssen, als in derselben Situation in einer 50er-Zone: Es geht im ersten Fall ohnehin kaum schneller – egal, ob ich den Radfahrer überholen kann oder nicht. Das Tempolimit sorgt dafür. Und Aggression unter den Verkehrsteilnehmern kommt erst gar nicht auf. Leuchtet ein. Schlag gehört unter anderem dem Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur an. Schade eigentlich, dass man da nicht auf ihn hört.