21.11.2017

Für den Fall des Falles: Versicherungen fürs Fahrrad

Es gibt etwa 1.000 gemeldete Fahrrad-Diebstähle pro Tag in Deutschland - die Dunkelziffer kann man nur ahnen. Leider sind die nicht alle darauf zurück zu führen, dass der Besitzer sein Rad nicht oder nur mit einem schlechten Schloss abgeschlossen beziehungsweise nicht angekettet hatte. Tatsächlich werden, wenn auch selten - immer wieder auch Schlösser der oberen Sicherheitskategorien aufgebrochen. Eine wirkliche Garantie gibts also nicht. Was tun? Vorsorgen! Mit einer Diebstahl-Versicherung fürs Velo.
Dazu hat man zwei Möglichkeiten. Die erste und über lange Jahre übliche: Diebstahlschutz des Rads über die Hausratversicherung. Für viele kann das eine gute Lösung sein - zum Beispiel für Menschen, die ihr Rad in abgeschlossenen Räumen lagern und nachts nicht unterwegs sind. Die sich also vielleicht auch eher Gelegenheitsradler nennen würden, mit einem Fahrrad, das eher der Einsteigerklasse bis 1.000 Euro zuzuordnen ist. Wieso diese Einstufung? Viele Hausrat-Versicherungen haben eine spezielle Klausel für Fahrräder: Sie werden bei Diebstahl zwischen 22.00 und 6.00 Uhr nur ersetzt, wenn das Rad in einem abgeschlossenen Raum stand - also Einbruchdiebstahl vorliegt. Man kann diese Klausel aber auch umgehen: bei vielen Hausratversicherungen ist es möglich, für einen etwas höheren Beitrag eine speziellen Fahrradschutz zu buchen. So wird das Fahrrad auch ersetzt, wenn es nachts angeschlossen außerhalb verschlossener Räume steht. Der zweite Grund dafür, dass die Hausrat nicht immer eine gute Fahrradversicherung ist: Das Fahrrad wird in der Hausratversicherung meist mit fünf bis zehn Prozent der gesamten Versicherungssumme berechnet. Bedeutet: Wenn Sie Fahrräder im Wert von 3.000 Euro in einer Hausrat mit 5 Prozent-Anteil integrieren wollen, muss die Versicherungssumme also mindestens 60.000 Euro betragen. Das kann -bei einem Pärchen- oder Singlehaushalt schon viel zu viel sein; Sie würden also weitaus mehr Versicherungsbeitrag bezahlen, als Sie nach realen im Haushalt vorhandenen Werten müssten. Wenn man nun davon ausgeht, dass die beiden Fahrradfans sind und beide ein Fahrrad im Wert von 3.000 Euro besitzen - die sie natürlich beide in die Hausratversicherung integrieren wollen - wird das teuer!
Heißt: Räder mit Kaufpreis bis 1.000 Euro lassen sich gut in die Versicherung auch einer kleinen Wohnung integriern - aber man sollte auch auf spezielle Fahrrad-Ausschlussklauseln und ähnliches achten!
Für teuere Räder gibt es eine eigene Form der Diebstahlversicherung: Die spezielle Fahradversicherung. Um es gleich zu sagen: Das Angebot ist groß und derzeit noch wenig überschaubar. Von der reinen Diebstahlversicherung speziell für E-Bikes bis hin zum Rundumschutz für das beste Stück - egal ob motorisiert oder nicht - ist alles drin.
Doch schon bei der klassischen Diebstahl gibt es starke Unterschiede; die wichtigsten:
- Manche Anbieter zahlen bei Verlust des Rads nur den Zeitwert - also den Wert, den das versicherte Rad oder Pedelec beim Diebstahl hatte. Da Fahrräder bekannterweise einen sehr hohen Wertverlust haben, sollte man sich diese Rechnung überlegen. Dazu kommt - auch wenn man sich von der Versicherungsprämie ein neues Rad kaufen kann, wird dieses Neurad deutlich schlechter ausgestattet sein als das gestohlene - also zumindest auch für den Besitzer deutlich weniger wert sein, auch wenn es neu ist.
- Andere Versicherer zahlen bis zu einem Stichtag - zum Beispiel drei Jahre nach dem Kaufdatum - im Falle des Diebstahls den vollen, danach nur noch den Preis des Zeitwerts.
- Achten Sie unbedingt auf die Zahlungs-Voraussetzungen der Versicherung. Fast immer ist ein bestimmter Schlosstyp - meist ein Bügelscholoss höherer Preisklasse - als Diebstahlsicherung vorgeschrieben. Wenn Sie ausschließlich ein anderes Schloss benutzen, gehen sie im Fall des Falles leer aus!
- Bei vielen gibt es - wie bei der Autoversicherung - Schadenfreiheitsrabatt, wenn man die Leistungen nicht in Anspruch nehmen musste.
Neben dem klassischen Diebstahlschutz gibt es auch weitreichendere Angebote: Teile-Diebstahl sollte in den Versicherungsleistungen enthalten sein.
Die Versicherung der Wertgarantie etwa deckt auch den Ersatz von Verschleißteil-Reparaturen. Auch bei Unfällen, wird die kaputte Komponente bezahlt. Selbst der Akku, der von den gesetzlichen Gewährleistungen nach sechs Monaten herausfällt, kann hier eingebunden werden. Wichtig ist hier das Kleingedruckte! Was sich bei manchen Angeboten auf den ersten Bick als einzigartigen Deal anhört kann, je nach den Bedingungen, die gestellt werden, auch schnell ganz anders aussehen. Die Kosten sind auch hier natütrlich abhängig vom Kaufpreis. Bei einem 4.000 Euro teuren E-Bike zahlen Sie für den Komplettschutz 20 Euro im Monat - auf drei Jahre gerechnet also 720 Euro. Das ist nicht wenig, dürfte sich aber bei hoher Kilometerleistung durchaus lohnen.
- Wichtig: Lesen Sie immer das gesamte Angebot der Versicherung und fragen Sie konkret nach, wenn Sie etwas nicht verstehen - besser jetzt etwas Zeit investieren, als später ohne Versicherungsprämie dazustehen. - Sie sind ADFC-Mitglied? Dann gucken Sie mal zur Bike Assekuranz - das ist die Partnerversicherung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, und bietet dessen Mitgliedern zehn Prozent  Vergünstigung.
Und, nicht vergessen: Am besten ist es immer noch, das Bike mit hochwertigem Fahrradschloss, kombiniert mit dem richtigen Gebrauch, zu sichern - wie in unserem Blogbeitrag beschrieben.    
Kategorie: Information, Tipps und Tricks

01.11.2017

Dem Dieb keine Chance: kleine Schloss- und Abschließkunde

Immer wieder hört man den Satz: „Ich kauf' mir doch kein richtig gutes Rad! Das wird doch sowieso geklaut.“ Richtig ist: Pro Tag wurden 2016 in Deutschland laut Stiftung Warentest fast 1.000 Räder und E-Bikes gestohlen. Die gestohlenen Räder, die gar nicht erst gemeldet werden, weil die Besitzer sich davon nichts versprechen, sind hier noch gar nicht mitgezählt. Richtig ist aber auch: Ein gutes Schloss und sein richtiger Gebrauch machen Diebstahl nicht absolut unmöglich, aber extrem unwahrscheinlich. Zunächst also zum Schloss selbst. Hier gilt wie fast überall: Je hochqualitativer sprich aufbruchsicherer, desto teurer. Dabei zählt nicht nur das Material des Sicherungskörpers, bei einem Bügelschloss also der bogenförmige Teil. Auch der Schließmechanismus selbst ist enorm sicherheitsrelevant. Lässt er sich einfach zerstören oder öffnen – etwa mit sogenannten Picking-Tools, also Mini-Dietrichen – dann nutzt der robusteste Bügel nichts. Letzterer ist bei den besten Modellen aus gehärtetem Stahl und hat einen viereckigen, an den Kanten abgerundeten Querschnitt – damit Schneidewerkzeuge schlechter ansetzen können. Diese Bügelschlösser oder Kettenschlösser mit dicken, geschlossenen Gliedern aus hochwertigen Stahl haben heute die sichersten Schlosskörper. Mithalten können da nur einige hochwertige Faltschlösser – aber auch hier gilt: Das Material und die Fertigung (Vernietung!) entscheiden über Aufbruchsicherheit. Einfache Kettenschlösser, Bügelschlösser aus minderwertigem Bügel-Material oder Kabelschlösser mit Metallpanzerung stellen die nächsttiefere Sicherheitsstufe dar. Ganz am unteren Ende rangieren einfache Kabelschlösser mit geringem Durchmesser und ohne Metallummantelung. Da reicht schon ein einfacher Bolzenschneider, manchmal gar der Seitenschneider einer Zange, um es zu kappen.

Der Unterschied der verschiedenen Produkte in Sachen Schließzylinder ist nicht geringer: Einfache Schließmechanismen, wie man sie von Einsteiger-Kabelschlössern kennt, lassen sich manchmal ohne Hilfsmittel knacken. Nur minimal schwieriger wird’s mit dem klassischen Stiftzylinder, wie man ihn von alten Wohnungstüren her kennt. Mit einfachen Tools kann man hier die kleinen Stifte im Schloss genau wie mit dem Schlüssel um die richtig Länge eintauchen – das Schloss lässt sich entriegeln. Moderne Drehscheibenzylinder stellen derzeit das Maximum an Sicherheit dar: Bis zu zwölf Scheiben im Schließzylinder werden je nach Einkerbungen und Aussparungen im Schlüssel verdreht. Nur wenn alle Scheiben um die richtige Gradzahl gedreht werden, öffnen sich die Schließbolzen des Schlosses. Erkennbar ist dieses System an den vierkantförmigen Schlüsseln mit beidseitigen Einkerbungen (s. Bild).

Eine Entscheidungshilfe: Die Sicherheitsskalen, in die viele Hersteller ihre Schlösser einordnen. Dabei lassen sich zwar nicht die Schlösser verschiedener Hersteller vergleichen, doch innerhalb des Portfolios des Herstellers sind die firmeneigenen Sicherheitsstufen eine gute Orientierung. Im Schnitt beschäftigt sich ein Fahrraddieb höchstens drei Minuten mit einem Schloss – dann wird es ihm zu brenzlig, die Aufmerksamkeit von Passanten zu erregen. Hält ein Schloss einem professionellen Angriff so lange stand, gilt es als sicher. Kabelschlösser gehören übrigens hierzu nicht.

Das bringt uns zum nächsten Punkt: Dem richtige Gebrauch des Schlosses. Wichtig: Stellen Sie Ihr Fahrrad auch tagsüber nie an wenig einsehbaren Orten ab (zum Beispiel in einer dunklen, leicht zugänglichen Hofeinfahrt). Das ist schon Teil des Diebstahlschutzes, denn niemand lässt sich gern beim Klauen zusehen! Nachts wählen Sie immer lieber die Straßenlaterne als den Zaunpfahl um die dunkle Ecke zum Anschließen. Anschließen ist übrigens absolut Pflicht: Ein Fahrrad, das weggetragen oder -geschleift werden kann, ist nicht diebstahlgesichert! Also: wenn das Rad nicht in Sichtweite ist: anschließen! Und zwar immer so, dass der Rahmen und nicht nur ein Laufrad angeschlossen ist. Auch wenn der nächste Fahrradständer oder das nächste Verkehrszeichen ein paar Meter weiter ist. Deshalb darf auch nicht nur die Aufbruchsicherheit über den richtigen Schlosstyp entscheiden: Bügelschlösser reichen oft nur um Fahrradrahmen und ein Verkehrszeichen herum, während andere Schlösser gegebenenfalls auch Laternenpfahle umarmen. Ein weiterer Entscheidungsfaktor: Transport. Das Bügelschloss lässt sich einfacher mit Hersteller-Adaptern am Fahrrad befestigen als ein vergleichbares Panzerkabelschloss, verschwindet bei Bedarf auch schnell in der Gepäcktasche. Faltschlösser lassen sich auch gut am Fahrrad befestigen – doch unbedingt vor Kauf testen, ob das Schloss am Rahmen auch Platz hat – oder ob dafür zum Beispiel der Trinkflaschenhalter weichen muss. Immer beliebter wird übrigens das Kurzzeitschloss, etwa ein Ringschloss, das das Hinterrad blockiert. Das ist so etwas wie die Wegfahr-Sperre. Beim Bäcker- oder Kiosk-Besuch beispielsweise ist so ein Ringschloss sehr praktisch. Ohne ein Schloss auspacken zu müssen, kann ich Gelegenheitsdiebe während meines Einkaufs auf der anderen Seite des Schaufensters am Wegfahren hindern. Und Wegtragen dürfte in diesem Fall nicht erfolgversprechend sein.

Wer auf Nummer sicher geht, schützt sich auch gegen Teileklau. Eine Möglichkeit dazu: Kräftige Schlaufenseile, deren mit dem Bügel- oder einen anderen Schloss verbunden werden (s. Bild). Eleganter gehts  per Schloss-Bolzen wie etwa von Pitlock: Statt einer Schraubenmutter sichert hier ein nur mit einem kodierten Gegenstück zu öffnende Mutter die Komponenten - also etwa Sattel oder Laufräder. Dieses passt ganz einfach an den Schlüsselbund. Da sollte es auch hin - wer auf der Tour mal einen Platten hat, kann ansonsten das Rad nicht ausbauen ... 

Kategorie: Tipps und Tricks

20.09.2017

Dunkel, nass, kalt: Tipps fürs Radfahren in Herbst und Winter, Teil I

Zum Frühstücken braucht man schon wieder Licht, und der Blick aus dem Fenster macht in Anbetracht der Wetterlage auch keinen Spaß: Das ist die Zeit, in der viele daran denken, das Fahrrad oder E-Bike für die nächsten Monate in den Keller zu stellen und den Weg zur Arbeit per Bahn, Auto oder zu Fuß zurück zulegen. Dabei hat Fahrradfahren in der dunklen Jahreszeit auch seinen Reiz, gerade wenn man auch außerhalb der Stadt oder durch Parks unterwegs sein kann. Außerdem: Wer will schon auf die gewohnte Portion Bewegung verzichten, besonders im Winter, wo man ohnehin weniger draußen aktiv ist? Und: Eine halbe Stunde radfahren täglich sorgt für ein starkes Immunsystem, und der im Herbst gefühlt „tägliche“ Regen fällt in Wirklichkeit seltener. Gründe gibt’s also genug. Deshalb: Durchfahren! Mit unseren Tipps klappt das. Der erste Beitrag beschäftigt sich mit der passenden Bekleidung, im zweiten in zwei Wochen kümmern wir uns um die Ausstattung für Rad und Radler, im Dritten gibt’s jede Menge Fahrtipps für Herbstradler. Oberstes Gebot: Warm und trocken bleiben! Immer nach Zwiebel-Prinzip anziehen, also lieber mehrere dünne Schichten als wenige dicke. So können Sie bevor Sie anfangen zu Schwitzen eine Schicht ausziehen und den Temperaturhaushalt perfekt ans Wetter anpassen. Grundsätzlich gilt: Maximale Atmungsaktivität, sprich optimales Wohlfühl-Klima hat man nur, wenn alle Schichten wasserdampfdurchlässig sind. Atmungsaktivität fängt also im besten Fall schon bei der Unterwäsche an – und das ist spürbar! Die äußeren Schichten für die kalte Jahreszeit, vor allem die Jacke und die Stirnfläche der Mütze, gegebenenfalls auch die für unter den Helm, sollten winddicht sein. Gore Windstopper- oder ähnliches Material sorgt dafür, dass der Windchill-Effekt uns nichts anhaben kann. Dieser Begriff bringt die gefühlte Temperatur im Verhältnis zur tatsächlichen zum Ausdruck, eigentlich eine alltägliche Winter-Erfahrung, die jeder kennt: Wer auf dem Rad mit 25 Stundenkilometern unterwegs ist, für den fühlen sich fünf Grad Celsius an als wären es etwa null Grad. Bei minus zehn Grad und derselben Geschwindigkeit verspüren wir schon eine Kälte von unter minus 18 Grad. Das ist keine Einbildung, sondern kann einfach physikalisch erklärt werden. Softschell-Jacken mit Windschutz sind für Radfahrer optimal: Sie haben hohen Tragekomfort, sind je nach Typ sehr atmungsaktiv und halten leichten Regen ab. Auch die Handschuhe sollten wasserdicht und atmungsaktiv sein. Hier hat die Passform viel Einfluss darauf, wie warm sie halten. Nicht zu eng kaufen und auf Qualität achten – die Hände sind dem kalten Wind und Regen besonders ausgesetzt. Tipps en detail: Kapuze? Auf dem Rad schwierig weil erstens passt sie oft nicht unter den Helm, zweitens kann sie ein Sicherheitsrisiko sein: Ist sie halbwegs passend eingestellt, macht sie Kopfbewegungen nicht mit; das macht das Umgucken oft schwierig. - Regenhose lieber etwas zu groß kaufen, schließlich muss sie noch über die normale Kleidung angezogen werden. - Regenbekleidung auf Strecke anziehen, wenn es anfängt zu regnen. Zaudern und Überzieh-Faulheit führen sonst eventuell zu einem Zustand, der Überziehen hinfällig macht. - Für besonders kalte und nasse Tage: wasserdichte Socken, wie etwa SealSkinz sie anbietet. Achtung: Sitzen die Schuhe schon eng, sind solche Socken wegen der Materialdicke keine Option! - Stark profilierte Schuhe sind bei Schmuddelwetter sinnvoll – sie beugen dem Ausrutschen auf Pedal und Asphalt vor.
Kategorie: Information, Tipps und Tricks