15.11.2017

Post aus Kashgar!

Eine E-Mail aus China bekommt man nicht jeden Tag, und das ist ohnehin schon spannend. Diese kam aber von Claudia Hildenbrandt – und die ist seit April mit ihrem Freund Daniel Mathias auf Weltreise. Sie schrieb uns also von ihrer fünften Etappe. Los ging's im April im Iran – oder zunächst eher nicht wirklich los, weil Daniel gleich am Flughafen in Teheran festgenommen wurde – sein Pass schien nicht den Vorschriften zu entsprechen. Doch schließlich geht’s wirklich los: Turkmenistan & Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Kasachstan waren die Stationen, die sie bislang machten – bis China etwa 6.500 Kilometer! Auf ihrer Internetseite kann man die beiden Abenteurer verfolgen. Der aktuelle Beitrag erzählt vor allem über China – auch in fantastischen Bildern. Und dort stellt sich heraus, dass eine Weltreise nicht nur Genuss und etwas Anstrengung bedeutet – abgesehen von Parasiten, die man sich einfangen kann und anderen körperlichen Schwierigkeiten … Jedenfalls erleben die beiden nicht nur die Schönheit der Natur die man von einer Weltreise erwartet und vielen Entdeckungen dazu, wie fremde Völker leben; sie machen auch die Erfahrung, dass andere Länder nicht grundsätzlich auf Reisende warten und ihnen gelegentlich auch Knüppel zwischen die Beine respektive vor die Räder werfen. So dauert die Einreise nach China einen ganzen Tag, die ersten 150 Kilometer müssen im Auto zurückgelegt werden, da in diesem Grenzbereich nicht mit dem Fahrrad gefahren werden darf. Das Land der Uiguren, durch das sie dann radeln, wurde von Peking in den letzten Jahrzehnten zwangs-hochgepäppelt. Da seine Bewohner aber die muslimische Minderheit stellen und auch sonst nach chinesischen Maßstäben eher rebellisch sind, ist die Polizei überall gegenwärtig und versucht zu gängeln, wo sie nur kann. Die Altstadt von Xinijang wurde praktisch neu aufgebaut – „mehr oder weniger authentisch“ meint Claudia. Und mit seinen jetzt breiten Straßen und übersichtlichen Plätzen ist sie für den Chinesischen Herrschaftsapparat gut überschaubar. Aber natürlich haben die Uiguren durch den Umzug in moderne Wohnungen auch Lebensqualität gewonnen, erkennen die Reisenden. Wir finden es klasse, wie authentisch und hautnah Claudia im Blog das Wahrgenommene und ihre Erfahrungen schildert. Hier geht’s eben nicht nur darum, zu zeigen, dass die Welt wunderschön ist – sie kann dazu auch noch ganz anders sein, und diese Erfahrung ist ebenfalls wichtig. Schließlich geht’s einem Weltreisenden darum, die Welt kennenzulernen, nicht die Scheuklappen seiner eigenen Vorstellungen durch ein unbekanntes Land zu retten. Warum wir ein Update von den beiden bekommen? Weil wir die beiden mit Rädern unterstützt haben. Für eine solche Expedition musste es natürlich das Terra sein, unser klassisches Fernreiserad aus Stahl. Damit ist das Paar nun um die 6.500 Kilometer gen Osten gefahren. Und bestens zufrieden, soweit wir wissen. Schon vor Jahren waren sie auf Weltreise: Indien, Nepal, Myanmar, Neuseeland, Peru – um nur ein paar Stationen zu nennen. Doch gings zu Fuß und mit Rucksack durch die Welt. Dass die beiden 27 beziehungsweise 33 Jahre alten Thüringer zu Fahrrad-Abenteuerern wurden, ist eher Zufall: Sie lernten auf ihrer ersten Weltreise zwei Radtouristen kennen, die Claudia bald wegen ihrer anderen Mobilität beneidete. So wurde schon auf der ersten die Basis für die zweite Weltreise gelegt. Natürlich haben die beiden viele Erfahrungen der ersten Reise nutzen können. Außerdem haben sie Workshops belegt und sich in Sachen moderner Fahrradtechnik weitergebildet, um die Fahrräder selbst warten zu können. Da sie mit 14-Gang-Rohloff-Schaltnabe und Scheibenbremsen unterwegs sind und auch sonst auf wartungsarme Ausstattung Wert gelegt haben, gibt es bislang kein Problem - zumindest mit den für sie maßgeschneiderten Rädern selbst. Denn schon die Iraner interessierten sich brennend für die Terras, wollten unbedingt selbst mal fahren - bis einer von ihnen damit stürzte. Zum Glück ist nicht viel passiert, aber "seitdem haben alle außer uns Fahrverbot auf unseren "Heiligtümern", auch wenn das manchmal spießig klingt", schreibt uns Claudia. Ein anderer Kniff, um die wichtigen Fahrzeuge zu schützen: Wenn die beiden nach dem Preis der Bikes gefragt werden, sprechen Sie von einem Geschenk der Eltern - schließlich will man keine Diebe anlocken. Weil sich die Übersetzung der 14-Gang-Schaltung als immer noch zu lang für die steilsten Rampen dort erwies - schließlich haben die beiden ordentlich Gepäck auf den Trägern -, bekamen die beiden Abenteuerer von uns Ritzel für eine kleinere Übersetzung nach Bischkek in Kirgisistan zugeschickt. Ansonsten ist alles wie bei Übergabe - auch schön, oder?  Der Blog zu den beiden Reisen zeigt die schönsten Bilder – ansehen!
Kategorie: Rund um die Reise, Reiseberichte

19.06.2017

Karte oder Navi?

Die digitale Navigation auf dem Fahrrad ist für viele heute schon selbstverständlich, andere lehnen sie – was Urlaubsreisen oder Tagestouren angeht – kategorisch ab. Vor allem viele Alte Hasen schwören drauf: Die Fahrradreise oder -Tour wird mit Karte bestritten! Bei "Berufs-Reisenden" sind Fernreisen ohne Navi kaum mehr vorstellbar. Fragt man nach, warum?, erscheinen Argumente, die nicht einfach von der Hand zu weisen sind. Wir haben die Argumente für die beiden Navigationssysteme gesammelt.

  •     Die Karte ist besser zu handhaben
  •     Das stimmt nur in mancher Hinsicht: Liegt die Karte vor mir, kann ich direkt in Media res gehen – alles, was die Karte kann, ist direkt zugänglich. Sie zeigt die Orte an, kann mir relativ schnell grobe Entfernungen wiedergeben, liefert, je nach Typ, Aussagen über die Befahrbarkeit und Breite der Wege beziehungsweise den Oberfläche und oft auch über Steigungen und Gefälle. Weniger kompliziert zu handhaben ist die Karte damit sicher - je nach Gerät und Hersteller muss man sich inten siv in die Bedienung eines Navis einarbeiten, bis es in der Praxis gut läuft. Aber: Die einfache Handhabung hört auf dem Fahrrad auf. Ich muss anhalten, sie zur Hand nehmen und gegebenenfalls aufschlagen, wenn sie nicht bereits so gefaltet ist, dass ich den aktuellen Ausschnitt vor mir habe.
  •     Die Karte liefert eine bessere Übersicht.
  •     Das ist in unseren Augen der Hauptvorteil der Karte: Sie hilft, Orte und Strecken in einen größeren Umfeld einzuordnen. Entfernungen werden direkt und unmittelbar verständlich, man bekommt einen einfachen Überblick über Proportionen und wo man sich gerade befindet. Zwar können auch Navigationsgeräte große Regionen anzeigen, doch dann fehlt auf dem kleinen Display die Übersicht. Außerdem muss man dazu die Einstellung - je nach Gerät aufwendig - verändern.
  •     Die Karte ist Strom-unabhängig.
  •     Ein weiterer echter Pluspunkt der Landkarte. Sie ist – im Hellen – ohne Strom lesbar; doch braucht man bei schlechtem Licht oder nachts eine Lichtquelle – also meist eine batteriebetriebene Leuchte. Darüber hinaus kann man heute die Akkus vieler Navis per Nabendynamo laden – man muss sich also nicht abhängig von mobilen Stromquellen machen.
  •     Die Karte ist zuverlässig und immer einsatzbereit, der Navi nicht.
  •     Das Argument verabschiedet sich allmählich, denn Navigationsgeräte werden immer sicherer und zuverlässiger. Sie arbeiten effizient, sind oft im stromsparenden Modi zu betreiben und stürzen selten ab – auch wenn es je nach Typ und Hersteller noch deutliche Unterschiede gibt.
  •     Die Karte ist viel günstiger
  •     Wirklich? Sicher, für eine einmalige Wochenendreise wird sich niemand ein Navi für 200 Euro oder mehr anschaffen, doch schon bei wenigen Touren pro Jahr wird das Kartenmaterial auf Dauer teurer als das Navi. Zumindest dann, wenn man in unterschiedlichen Regionen unterwegs ist; dann ist immer wieder eine neues Kartenmaterial fällig.
  •     Die Karte ist robuster.
  •     Nicht wirklich: Regen hat schon so mancher Karte den Garaus gemacht, und wer auf komplexen Routen häufig halten und nachschlagen muss, hat oft bald Loseblatt-Sammlung in Händen. Dem gegenüber ist ein Outdoor- und Fahrrad-Navi äußerst robust.
  •     Durch die Beschäftigung mit der Karte und dem Abgleich mit der Landschaft, in der man sich verbindet, erhält man einen viel besseren Überblick und lernt viel schneller, sich im jeweiligen Gebiet zu orientieren. Das wird wohl jeder schon einmal erlebt haben, und sei es auch mit dem Auto-Navi: Übernimmt der immer die Wegführung von A nach B ist es ungleich schwieriger, sich zu orientieren.Was aber wirklich für den Navi spricht sind Eigenschaften, die keine Karte bieten kann: Navis zeigen immer deinen aktuellen Standpunkt. Dadurch ist Verfahren kaum möglich. Beim Blick auf die Karte ist sofort zu erkennen, ob man sich noch auf der vorgegebenen Route befindet oder nicht, akustische oder optische Abbiegehinweise (so sie denn beim jeweiligen Gerät möglich und eingestellt sind) machen auf einen Richtungswechsel aufmerksam.
  •     Dazu kommt: Viele Navigationsgeräte bieten Zusatzfunktionen – vor allem im Sport-Bereich scheint kein Wunsch offen zu bleiben. Toll ist auch die Anbindung vieler Hersteller an Internet-Foren oder Portale, auf denen man seine Touren posten und Touren anderer downloaden und nachfahren kann. Hier sind in den letzten Jahren riesige Netzwerke an Touren entstanden, die Auswahl an Routen ist nahezu unendlich. Herunterladen, auf das Navi spielen, losfahren.
  •     Wer es scheut, sich in die Technik, die tatsächlich nicht immer einfach zu beherrschen ist, einzuarbeiten, der sollte zunächst ein Einsteigergerät testen. Diese sind mit wenigen Fingertipps auf das selbsterklärende Displaymenü oder Tasten zu bedienen. Ihre Leistung reicht für das Laden von Strecken, Touren-Navigation (Routing) und die Navigation zu festgelegten Orten – wie beim Auto – aus.

Also Karte vergessen und alles per Navi? Jein. Der pure Luxus ist es, wenn man auf beides zurückgreifen kann. Sich mit der Karte ein Bild von der Region, in der man sich bewegt, zu verschaffen und dadurch besser zu verstehen, welche Route sinnvoll ist und welche weniger macht nicht nur Spaß, sondern ist äußerst praktisch. In der großen Übersicht die Sehenswürdigkeiten und ihre Entfernung abzuschätzen und danach die Route dank Navigationsgerät ohne ständiges Absteigen und Karte auspacken zu fahren – das ist das Höchste der Navigations-Gefühle auf dem Rad.
Kategorie: Information, Rund um die Reise