21.11.2017

Für den Fall des Falles: Versicherungen fürs Fahrrad

Es gibt etwa 1.000 gemeldete Fahrrad-Diebstähle pro Tag in Deutschland - die Dunkelziffer kann man nur ahnen. Leider sind die nicht alle darauf zurück zu führen, dass der Besitzer sein Rad nicht oder nur mit einem schlechten Schloss abgeschlossen beziehungsweise nicht angekettet hatte. Tatsächlich werden, wenn auch selten - immer wieder auch Schlösser der oberen Sicherheitskategorien aufgebrochen. Eine wirkliche Garantie gibts also nicht. Was tun? Vorsorgen! Mit einer Diebstahl-Versicherung fürs Velo.
Dazu hat man zwei Möglichkeiten. Die erste und über lange Jahre übliche: Diebstahlschutz des Rads über die Hausratversicherung. Für viele kann das eine gute Lösung sein - zum Beispiel für Menschen, die ihr Rad in abgeschlossenen Räumen lagern und nachts nicht unterwegs sind. Die sich also vielleicht auch eher Gelegenheitsradler nennen würden, mit einem Fahrrad, das eher der Einsteigerklasse bis 1.000 Euro zuzuordnen ist. Wieso diese Einstufung? Viele Hausrat-Versicherungen haben eine spezielle Klausel für Fahrräder: Sie werden bei Diebstahl zwischen 22.00 und 6.00 Uhr nur ersetzt, wenn das Rad in einem abgeschlossenen Raum stand - also Einbruchdiebstahl vorliegt. Man kann diese Klausel aber auch umgehen: bei vielen Hausratversicherungen ist es möglich, für einen etwas höheren Beitrag eine speziellen Fahrradschutz zu buchen. So wird das Fahrrad auch ersetzt, wenn es nachts angeschlossen außerhalb verschlossener Räume steht. Der zweite Grund dafür, dass die Hausrat nicht immer eine gute Fahrradversicherung ist: Das Fahrrad wird in der Hausratversicherung meist mit fünf bis zehn Prozent der gesamten Versicherungssumme berechnet. Bedeutet: Wenn Sie Fahrräder im Wert von 3.000 Euro in einer Hausrat mit 5 Prozent-Anteil integrieren wollen, muss die Versicherungssumme also mindestens 60.000 Euro betragen. Das kann -bei einem Pärchen- oder Singlehaushalt schon viel zu viel sein; Sie würden also weitaus mehr Versicherungsbeitrag bezahlen, als Sie nach realen im haushalt vorhandenen Werten müssten. Wenn man nun davon ausgeht, dass die beiden Fahrradfans sind und beide ein Fahrrad im Wert von 3.000 Euro besitzen - die sie natürlich beide in die Hausratversicherung integrieren wollen - wird das teuer!
Heißt: Räder mit Kaufpreis bis 1.000 Euro lassen sich gut in die Versicherung auch einer kleinen Wohnung integriern - aber man sollte auch auf spezielle Fahrrad-Ausschlussklauseln und ähnliches achten!
Für teuere Räder gibt es eine eigene Form der Diebstahlversicherung: Die spezielle Fahradversicherung. Um es gleich zu sagen: Das Angebot ist groß und derzeit noch wenig überschaubar. Von der reinen Diebstahlversicherung speziell für E-Bikes bis hin zum Rundumschutz für das beste Stück - egal ob motorisiert oder nicht - ist alles drin.
Doch schon bei der klassischen Diebstahl gibt es starke Unterschiede; die wichtigsten:
- Manche Anbieter zahlen bei Verlust des Rads nur den Zeitwert - also den Wert, den das versicherte Rad oder Pedelec beim Diebstahl hatte. Da Fahrräder bekannterweise einen sehr hohen Wertverlust haben, sollte man sich diese Rechnung überlegen. Dazu kommt - auch wenn man sich von der Versicherungsprämie ein neues Rad kaufen kann, wird dieses Neurad deutlich schlechter ausgestattet sein als das gestohlene - also zumindest auch für den Besitzer deutlich weniger wert sein, auch wenn es neu ist.
- Andere Versicherer zahlen bis zu einem Stichtag - zum Beispiel drei Jahre nach dem Kaufdatum - im Falle des Diebstahls den vollen, danach nur noch den Preis des Zeitwerts.
- Achten Sie unbedingt auf die Zahlungs-Voraussetzungen der Versicherung. Fast immer ist ein bestimmter Schlosstyp - meist ein Bügelscholoss höherer Preisklasse - als Diebstahlsicherung vorgeschrieben. Wenn Sie ausschließlich ein anderes Schloss benutzen, gehen sie im Fall des Falles leer aus!
- Bei vielen gibt es - wie bei der Autoversicherung - Schadenfreiheitsrabatt, wenn man die Leistungen nicht in Anspruch nehmen musste.
Neben dem klassischen Diebstahlschutz gibt es auch weitreichendere Angebote: Teile-Diebstahl sollte in die Versicherungsleistungen integgriert seoin.
Die Versicherung der Wertgarantie etwa deckt auch den Ersatz von Verschleißteil-Reparaturen. Auch bei Unfällen, wird die kaputte Komponente bezahlt. Selbst der Akku, der von den gesetzlichen Gewährleistungen nach sechs Monaten herausfällt, kann hier eingebunden werden. Wichtig ist hier das Kleingedruckte! Was sich bei manchen Angeboten auf den ersten Bick als einzigartigen Deal anhört kann, je nach den Bedingungen, die gestellt werden, auch schnell ganz anders aussehen. Die Kosten sind auch hier natütrlich abhängig vom Kaufpreis. Bei einem 4.000 Euro teuren E-Bike zahlen Sie für den Komplettschutz 20 Euro im Monat - auf drei Jahre gerechnet also 720 Euro. Das ist nicht wenig, dürfte sich aber bei hoher Kilometerleistung durchaus lohnen.
- Wichtig: Lesen Sie immer das gesamte Angebot der Versicherung und fragen Sie konkret nach, wenn Sie etwas nicht verstehen - besser jetzt etwas Zeit investieren, als später ohne Versicherungsprämie dazustehen. - Sie sind ADFC-Mitglied? Dann gucken Sie mal zur Bike Assekuranz - das ist die Partnerversicherung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, und bietet dessen Mitgliedern zehn Prozent  Vergünstigung.
Und, nicht vergessen: Am besten ist es immer noch, das Bike mit hochwertigem Fahrradschloss, kombiniert mit dem richtigen Gebrauch, zu sichern - wie in unserem Blogbeitrag beschrieben.    
Kategorie: Information, Tipps und Tricks

15.11.2017

Post aus Kashgar!

Eine E-Mail aus China bekommt man nicht jeden Tag, und das ist ohnehin schon spannend. Diese kam aber von Claudia Hildenbrandt – und die ist seit April mit ihrem Freund Daniel Mathias auf Weltreise. Sie schrieb uns also von ihrer fünften Etappe. Los ging's im April im Iran – oder zunächst eher nicht wirklich los, weil Daniel gleich am Flughafen in Teheran festgenommen wurde – sein Pass schien nicht den Vorschriften zu entsprechen. Doch schließlich geht’s wirklich los: Turkmenistan & Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Kasachstan waren die Stationen, die sie bislang machten – bis China etwa 6.500 Kilometer! Auf ihrer Internetseite kann man die beiden Abenteurer verfolgen. Der aktuelle Beitrag erzählt vor allem über China – auch in fantastischen Bildern. Und dort stellt sich heraus, dass eine Weltreise nicht nur Genuss und etwas Anstrengung bedeutet – abgesehen von Parasiten, die man sich einfangen kann und anderen körperlichen Schwierigkeiten … Jedenfalls erleben die beiden nicht nur die Schönheit der Natur die man von einer Weltreise erwartet und vielen Entdeckungen dazu, wie fremde Völker leben; sie machen auch die Erfahrung, dass andere Länder nicht grundsätzlich auf Reisende warten und ihnen gelegentlich auch Knüppel zwischen die Beine respektive vor die Räder werfen. So dauert die Einreise nach China einen ganzen Tag, die ersten 150 Kilometer müssen im Auto zurückgelegt werden, da in diesem Grenzbereich nicht mit dem Fahrrad gefahren werden darf. Das Land der Uiguren, durch das sie dann radeln, wurde von Peking in den letzten Jahrzehnten zwangs-hochgepäppelt. Da seine Bewohner aber die muslimische Minderheit stellen und auch sonst nach chinesischen Maßstäben eher rebellisch sind, ist die Polizei überall gegenwärtig und versucht zu gängeln, wo sie nur kann. Die Altstadt von Xinijang wurde praktisch neu aufgebaut – „mehr oder weniger authentisch“ meint Claudia. Und mit seinen jetzt breiten Straßen und übersichtlichen Plätzen ist sie für den Chinesischen Herrschaftsapparat gut überschaubar. Aber natürlich haben die Uiguren durch den Umzug in moderne Wohnungen auch Lebensqualität gewonnen, erkennen die Reisenden. Wir finden es klasse, wie authentisch und hautnah Claudia im Blog das Wahrgenommene und ihre Erfahrungen schildert. Hier geht’s eben nicht nur darum, zu zeigen, dass die Welt wunderschön ist – sie kann dazu auch noch ganz anders sein, und diese Erfahrung ist ebenfalls wichtig. Schließlich geht’s einem Weltreisenden darum, die Welt kennenzulernen, nicht die Scheuklappen seiner eigenen Vorstellungen durch ein unbekanntes Land zu retten. Warum wir ein Update von den beiden bekommen? Weil wir die beiden mit Rädern unterstützt haben. Für eine solche Expedition musste es natürlich das Terra sein, unser klassisches Fernreiserad aus Stahl. Damit ist das Paar nun um die 6.500 Kilometer gen Osten gefahren. Und bestens zufrieden, soweit wir wissen. Schon vor Jahren waren sie auf Weltreise: Indien, Nepal, Myanmar, Neuseeland, Peru – um nur ein paar Stationen zu nennen. Doch gings zu Fuß und mit Rucksack durch die Welt. Dass die beiden 27 beziehungsweise 33 Jahre alten Thüringer zu Fahrrad-Abenteuerern wurden, ist eher Zufall: Sie lernten auf ihrer ersten Weltreise zwei Radtouristen kennen, die Claudia bald wegen ihrer anderen Mobilität beneidete. So wurde schon auf der ersten die Basis für die zweite Weltreise gelegt. Natürlich haben die beiden viele Erfahrungen der ersten Reise nutzen können. Außerdem haben sie Workshops belegt und sich in Sachen moderner Fahrradtechnik weitergebildet, um die Fahrräder selbst warten zu können. Da sie mit 14-Gang-Rohloff-Schaltnabe und Scheibenbremsen unterwegs sind und auch sonst auf wartungsarme Ausstattung Wert gelegt haben, gibt es bislang kein Problem - zumindest mit den für sie maßgeschneiderten Rädern selbst. Denn schon die Iraner interessierten sich brennend für die Terras, wollten unbedingt selbst mal fahren - bis einer von ihnen damit stürzte. Zum Glück ist nicht viel passiert, aber "seitdem haben alle außer uns Fahrverbot auf unseren "Heiligtümern", auch wenn das manchmal spießig klingt", schreibt uns Claudia. Ein anderer Kniff, um die wichtigen Fahrzeuge zu schützen: Wenn die beiden nach dem Preis der Bikes gefragt werden, sprechen Sie von einem Geschenk der Eltern - schließlich will man keine Diebe anlocken. Weil sich die Übersetzung der 14-Gang-Schaltung als immer noch zu lang für die steilsten Rampen dort erwies - schließlich haben die beiden ordentlich Gepäck auf den Trägern -, bekamen die beiden Abenteuerer von uns Ritzel für eine kleinere Übersetzung nach Bischkek in Kirgisistan zugeschickt. Ansonsten ist alles wie bei Übergabe - auch schön, oder?  Der Blog zu den beiden Reisen zeigt die schönsten Bilder – ansehen!
Kategorie: Rund um die Reise, Reiseberichte

01.11.2017

Dem Dieb keine Chance: kleine Schloss- und Abschließkunde

Immer wieder hört man den Satz: „Ich kauf' mir doch kein richtig gutes Rad! Das wird doch sowieso geklaut.“ Richtig ist: Pro Tag wurden 2016 in Deutschland laut Stiftung Warentest fast 1.000 Räder und E-Bikes gestohlen. Die gestohlenen Räder, die gar nicht erst gemeldet werden, weil die Besitzer sich davon nichts versprechen, sind hier noch gar nicht mitgezählt. Richtig ist aber auch: Ein gutes Schloss und sein richtiger Gebrauch machen Diebstahl nicht absolut unmöglich, aber extrem unwahrscheinlich. Zunächst also zum Schloss selbst. Hier gilt wie fast überall: Je hochqualitativer sprich aufbruchsicherer, desto teurer. Dabei zählt nicht nur das Material des Sicherungskörpers, bei einem Bügelschloss also der bogenförmige Teil. Auch der Schließmechanismus selbst ist enorm sicherheitsrelevant. Lässt er sich einfach zerstören oder öffnen – etwa mit sogenannten Picking-Tools, also Mini-Dietrichen – dann nutzt der robusteste Bügel nichts. Letzterer ist bei den besten Modellen aus gehärtetem Stahl und hat einen viereckigen, an den Kanten abgerundeten Querschnitt – damit Schneidewerkzeuge schlechter ansetzen können. Diese Bügelschlösser oder Kettenschlösser mit dicken, geschlossenen Gliedern aus hochwertigen Stahl haben heute die sichersten Schlosskörper. Mithalten können da nur einige hochwertige Faltschlösser – aber auch hier gilt: Das Material und die Fertigung (Vernietung!) entscheiden über Aufbruchsicherheit. Einfache Kettenschlösser, Bügelschlösser aus minderwertigem Bügel-Material oder Kabelschlösser mit Metallpanzerung stellen die nächsttiefere Sicherheitsstufe dar. Ganz am unteren Ende rangieren einfache Kabelschlösser mit geringem Durchmesser und ohne Metallummantelung. Da reicht schon ein einfacher Bolzenschneider, manchmal gar der Seitenschneider einer Zange, um es zu kappen.

Der Unterschied der verschiedenen Produkte in Sachen Schließzylinder ist nicht geringer: Einfache Schließmechanismen, wie man sie von Einsteiger-Kabelschlössern kennt, lassen sich manchmal ohne Hilfsmittel knacken. Nur minimal schwieriger wird’s mit dem klassischen Stiftzylinder, wie man ihn von alten Wohnungstüren her kennt. Mit einfachen Tools kann man hier die kleinen Stifte im Schloss genau wie mit dem Schlüssel um die richtig Länge eintauchen – das Schloss lässt sich entriegeln. Moderne Drehscheibenzylinder stellen derzeit das Maximum an Sicherheit dar: Bis zu zwölf Scheiben im Schließzylinder werden je nach Einkerbungen und Aussparungen im Schlüssel verdreht. Nur wenn alle Scheiben um die richtige Gradzahl gedreht werden, öffnen sich die Schließbolzen des Schlosses. Erkennbar ist dieses System an den vierkantförmigen Schlüsseln mit beidseitigen Einkerbungen (s. Bild).

Eine Entscheidungshilfe: Die Sicherheitsskalen, in die viele Hersteller ihre Schlösser einordnen. Dabei lassen sich zwar nicht die Schlösser verschiedener Hersteller vergleichen, doch innerhalb des Portfolios des Herstellers sind die firmeneigenen Sicherheitsstufen eine gute Orientierung. Im Schnitt beschäftigt sich ein Fahrraddieb höchstens drei Minuten mit einem Schloss – dann wird es ihm zu brenzlig, die Aufmerksamkeit von Passanten zu erregen. Hält ein Schloss einem professionellen Angriff so lange stand, gilt es als sicher. Kabelschlösser gehören übrigens hierzu nicht.

Das bringt uns zum nächsten Punkt: Dem richtige Gebrauch des Schlosses. Wichtig: Stellen Sie Ihr Fahrrad auch tagsüber nie an wenig einsehbaren Orten ab (zum Beispiel in einer dunklen, leicht zugänglichen Hofeinfahrt). Das ist schon Teil des Diebstahlschutzes, denn niemand lässt sich gern beim Klauen zusehen! Nachts wählen Sie immer lieber die Straßenlaterne als den Zaunpfahl um die dunkle Ecke zum Anschließen. Anschließen ist übrigens absolut Pflicht: Ein Fahrrad, das weggetragen oder -geschleift werden kann, ist nicht diebstahlgesichert! Also: wenn das Rad nicht in Sichtweite ist: anschließen! Und zwar immer so, dass der Rahmen und nicht nur ein Laufrad angeschlossen ist. Auch wenn der nächste Fahrradständer oder das nächste Verkehrszeichen ein paar Meter weiter ist. Deshalb darf auch nicht nur die Aufbruchsicherheit über den richtigen Schlosstyp entscheiden: Bügelschlösser reichen oft nur um Fahrradrahmen und ein Verkehrszeichen herum, während andere Schlösser gegebenenfalls auch Laternenpfahle umarmen. Ein weiterer Entscheidungsfaktor: Transport. Das Bügelschloss lässt sich einfacher mit Hersteller-Adaptern am Fahrrad befestigen als ein vergleichbares Panzerkabelschloss, verschwindet bei Bedarf auch schnell in der Gepäcktasche. Faltschlösser lassen sich auch gut am Fahrrad befestigen – doch unbedingt vor Kauf testen, ob das Schloss am Rahmen auch Platz hat – oder ob dafür zum Beispiel der Trinkflaschenhalter weichen muss. Immer beliebter wird übrigens das Kurzzeitschloss, etwa ein Ringschloss, das das Hinterrad blockiert. Das ist so etwas wie die Wegfahr-Sperre. Beim Bäcker- oder Kiosk-Besuch beispielsweise ist so ein Ringschloss sehr praktisch. Ohne ein Schloss auspacken zu müssen, kann ich Gelegenheitsdiebe während meines Einkaufs auf der anderen Seite des Schaufensters am Wegfahren hindern. Und Wegtragen dürfte in diesem Fall nicht erfolgversprechend sein.

Wer auf Nummer sicher geht, schützt sich auch gegen Teileklau. Eine Möglichkeit dazu: Kräftige Schlaufenseile, deren mit dem Bügel- oder einen anderen Schloss verbunden werden (s. Bild). Eleganter gehts  per Schloss-Bolzen wie etwa von Pitlock: Statt einer Schraubenmutter sichert hier ein nur mit einem kodierten Gegenstück zu öffnende Mutter die Komponenten - also etwa Sattel oder Laufräder. Dieses passt ganz einfach an den Schlüsselbund. Da sollte es auch hin - wer auf der Tour mal einen Platten hat, kann ansonsten das Rad nicht ausbauen ... 

Kategorie: Tipps und Tricks

25.10.2017

Biker and Books - Dream-Teams für lange Winterabende

Viele Touren- und Freizeitfahrer denken allmählich daran, die Saison abzuschließen und das Rad oder E-Bike - natürlich frisch geputzt und geschmiert - in den Keller zu stellen. Auf das Thema Rad braucht man trotzdem nicht zu verzichten: Schließlich gibt es auch Fahrrad-Kultur - zum Beispiel Bücher, die zum Schmökern an langen Abenden einladen. Wir stellen dazu verschiedene Literatur vor. Aber Achtung: Es geht hier nicht um Tipps und Tricks oder etwa Repraturanweisungen, sondern um Bücher zum Geniesßen und Staunen.  Wie wäre es im Jubiläums-Jahr des Bikes mit einer Romanbiographie des Erfinders?  "Die abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais" beschreibt nicht nur die Geburtsstunde des Laufrads, es spiegelt auch die schräge Figur des Erfinders und das ständige Anstoßen des Freigeistes  in der Gesellschaft. Dafür verwendet Autor  Johannes Schweikle einen Trick: Die Erzählerstimme seines Romans ist der nüchtere Fritz, Geselle eines Wagenbau-Meisters, der Drais im Roman auf Ausfahrten begleitet - und so natürlich aus erster Nähe die sozialen Eigenheiten des Erfinders mitbekommt.  Die Geschichte ist teils urkomisch, teils tragisch - weil es wohl die Figur des durch die Weltgeschichte gehetzten Freiherrs auch war. Johannes Schweikle: Die Abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais. Klöpfer und Meyer, 200 Seiten, 20 Euro. In Der Tod des Weltmeisters von Herbert Friedrich wird ein Kölner Arbeitsloser in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum großen Radsport-Star. Friedrich erzählt die Geschichte des jungen Otto Pagler, dessen Namen er erfunden hat - nicht aber die Figur: Der bereits in den Siebzigerjahren in der DDR erschienene Roman erzählt frei die Geschichte des Kölner Albert Richter. Er war ein Ausnahmetalent, schier unbesiegbar auf der Bahn. Zu einer Zeit, als es in fast jeder großen Stadt Deutschlands Velodrome gab - Radrennbahnen mit ihren schrägen Ovalen, den steilen Kurven, um die sich in den besten Zeiten Tausende von mitfiebernden Zuschauern einfanden. Wettkämpfe hatten eine Anzugskraft wie Volksfeste. Kein Wunder, dass die aufkommenden Nazis sie zu einem Teil ihrer Propagandamaschinerie machten. Aber nicht alle machten mit. Otto Pagler bzw. sein echtes Alter Ego wollte sich nicht für ihre politischen Zwecke ausnzuten lassen. Vor allem sein jüdischer Betreuer war den neuen Herren, die auch und besonders im Sport das Sagen haben wollten, ein Dorn im Auge. Friedrich erzählt also eindringlich die Geschichte Albert Richters. Eine von Sportlichen Wettkampf, Ruhm, Ehre, Aufrichtigkeit und ihren Folgen im Nazi-Regime. Herbert Friedrich, der Tod des Weltmeisters, 444 Seiten, Maxime Verlag, 24,95 Euro. Genau was der Titel verspricht liefern Die Radfahrer Cartoons. Der Engländer Dave Walker hat sich des Themas nicht zufällig angenommen, das merkt man. Er ist nahezu mit dem Rad verwachsen, daher sind Fahrrad-Zeischriften neben den Guardian, für den er auch gelegentlich zeichnet, die Hauptkunden des freischaffenden Cartoonisten. Im ersten auf Deutsch erscheinenden Buch wird auf 144 Seiten mit seinen typischen leisen Strichen der ambitionierte Radfahrer, aber auch die Verkehrspolitik oder die Fahrradindustrie auf die Schippe genommen. Schön daran ist der schlichte, aber enorm treffsichere  Stil der Zeichnungen. Kann man auch öfter ansehen. Wieder ein Buch, mit dem der auf das Fahrrad spezialisierte Covadonga-Verlag zeigt, wie gut Kunst und Fahrrad zusammenpassen. Covadonga, 144 quadratische Seiten, 12,95 Euro. Vielleicht um mehr Fahrrad-Fans aller Couleur anzuziehen, hat der Delius-Klasing-Verlag einen grafisch angelegten Band zum Thema Rennradsport gleich breiter benannt und nannte sein Velopedia im Untertitel Die Fahrradwelt in Infografiken. Auch wenn es hierin "nur" um den Rennrad-Sport geht, eine Sparte, die der Buchautor und The-Telegraph-Journalist Robert Dinieen anscheinend wie seine Westentasche kennt, ist Velopedia eine mindestens so unterhaltsame wie informative Enzyklopädie für jeden Radsportler. Denn das Besondere daran ist, dass die Stichpunkte wie "Unter Schmerzen", "Aufbau eines modernen Radteams", "Der Einzel-Sprint" oder die Karriere von historischen Helden des Radsports geht - immer wird das Wissen ohne viel Brimborium präsentiert, durch die grafische Unterstützung leicht und schnell verständlich. Durch den teils Comic- oder Statistik-artigen Aufbau legt man das Buch auch nach dem Lesen des gesuchten Stichworts nicht aus der Hand - es macht Spaß, weiterzuschmökern. Übrigens: Vielleicht genau das Richtige zur Vorbereitung auf eine Party unter Radsport-Freunden. Deslius-Klasing, 192 Seiten 19,90 Euro. 
Kategorie: Literatur

16.10.2017

Aktuelle Studie: Radfahren noch beliebter

Der „Fahrrad-Monitor“ hat nichts mit einem neuen Display für den Lenker zu tun: Der seltsame Name steht für eine Studie zu Image und Nutzung des Fahrrads, die das Bundesverkehrsministerium (BMVI) regelmäßig bei Sinus in Auftrag gibt. Das Sozialforschungsinstitut hat Mitte September den Monitor für 2017 abgeschlossen, für den über 3.000 Menschen unterschiedlicher Alters- und Gesellschaftsschichten befragt wurden. Die wichtigsten Ergebnisse haben wir hier zusammengepackt. 
Als tägliches Verkehrsmittel nutzen etwa 12 Prozent der Befragten das Fahrrad, mehrmals in der Woche sind es sogar 22 Prozent – fast schon ein Viertel der Befragten, die 14 bis 69 Jahre alt waren. Dabei fahren die beiden jüngeren Altersgruppen (bis 29 Jahre) am häufigsten Fahrrad. Das Image ist dabei gestiegen: 63 Prozent nutzen das Fahrrad „gern“ oder sehr „gern“, 42 Prozent aller Befragten interessieren sich außerdem für Pedelecs.
Alle Zahlen pro Fahrrad stellen eine Steigerung zu den letzten beiden Studien von 2013 und 2015 dar. Die Helmnutzung liegt wie 2015 bei etwa 30 Prozent.
Was den Alltag und die Arbeitsstrecke  betrifft, wird gern kombiniert: Ein Viertel der Alltagsfahrer nehmen das Rad mit in die Bahn oder Straßenbahn. 43 Prozent der Radfahrenden haben in den letzten zwei Jahren eine oder mehrere Radtouren gemacht, bei Menschen mit höherem Einkommen und höherer Bildung liegt der Anteil bei 50 Prozent. Clevere Radfahrer! Wer sich fürs Radfahren entscheidet, tut dies aus Umweltschutz- und gesundheitlichen Gründen, beides wird zu etwa 50 Prozent angegeben. Vor allem im mittelgroßen Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern ist das Fahrrad extrem beliebt.
Aber jetzt kommt's: Gerade einmal 13 Prozent geben der Bundesregierung die Note „1“ oder „2“, wenn es um ihre Fahrradfreundlichkeit geht. Die Noten „5“ oder „6“ vergeben dagegen 22 Prozent! Die Landesregierungen und Kommunen schneiden bei dieser Frage etwas besser ab. Entsprechend auch die häufigste Forderung an die Verkehrspolitik: Mehr Radwege bauen (63 Prozent). Aber auch sichere Fahrradabstellanlagen und bessere Fahrradbeläge sind weit oben auf der Wunschliste. Unsicher beim Radfahren fühlen sich vor allem die älteren Befragten zwischen 60 und 69 Jahren.
Was bedeutet das nun für uns Radfahrer? Wir werden noch mehr!  Das ist zunächst einmal die offensichtliche Entwicklung, und das kommt auch bei der Frage „Welches Verkehrsmittel würden Sie in Zukunft gern häufiger nutzen?“ heraus. Und das, nicht weil die verkehrstechnischen Voraussetzungen dafür gut sind, sondern obwohl sie als schlecht wahrgenommen werde: Fast 30 Prozent der Befragten planen außerdem, „sicher“ oder „vielleicht“ in den nächsten zwölf Monaten ein neues Fahrrad zu kaufen.
So viel positive Entwicklung – da sollte man denken, dass das BMVI da gehörig unterstützen will. Schließlich ist man auch dort offiziell der Meinung, dass das Fahrrad helfen kann, viele Verkehrsprobleme zu lösen. Das Fängt bei A wie Autoparkplatznotz an, geht über L wie Lärmbelastung und D wie Diesel-Problematik bis hin zu S wie dem allgegenwärtigen Stau. Zwar werden 2017 voraussichtlich 130 Millionen Euro in den Radverkehr investiert, wer aber mit Ausgaben für das Straßennetz vergleicht, sieht, wie wenig das wirklich ist: 2016 wurden laut Statistischem Bundesamt 6.208.000.000 hierfür ausgegeben …  Quelle: BMVI
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