Geneigte-Sitzhaltung
Bei den geneigten Sitzhaltungen ist die S-Form der Wirbelsäule ebenso entscheidend für die entspannte und rückenschonende Haltung auf dem Rad.
Oberhalb des Beckens, im Bereich der Lendenwirbelsäule, ist der Rücken nach innen gewölbt und es entsteht die Lendenlordose (Hohlkreuz). Ohne diese natürliche Lendenlordose ist die weitere S-Form der Wirbelsäule nicht möglich. Die Lendenlordose ermöglicht den Rückenstrecker-Muskeln, den Oberkörper in geneigter Position zu halten, ohne daß man sich dabei auf den Händen abstützen muss. Die mögliche Neigung des Oberkörpers ist stark vom
Trainingszustand dieser Rückenmuskeln abhängig.
Bei schwacher Muskulatur empfiehlt es sich, eine höhere Lenkerposition zu wählen, die jedoch nicht mehr als 15 cm über der Satteloberfläche liegt. Je besser die Rückenmuskulatur trainiert ist, desto tiefer kann die Lenkerposition gewählt werden. (Bild 5: 1.= Allround , 2.= Dynamik, 3.= Sport Position)
Die gestreckte Rückenhaltung kann nur beibehalten werden, wenn die Hände anschließend an der richtigen Stelle den Lenker vorfinden. Wichtig ist hierbei, daß bei gestrecktem (S-förmigen) Rücken, zwischen Oberkörper und Oberarmen ein rechter Winkel entsteht. Nur mit diesem rechten Winkel können die Oberarme zusammen mit der Schultermuskulatur genügend Stützkraft aufbringen. (Bild 6)
Wird dieser Winkel durch einen zu kleinen Lenker-Sattel-Abstand kleiner (Bild 7a), dann versucht der Körper diesen Winkel mit Gewalt einzustellen, indem der Schulterbereich nach hinten weggedrückt wird (Bild 7b). Ein passender Vergleich hierzu wäre, Liegestützen mit nach hinten gestellten Armen auszuführen. Das ist extrem anstrengend und man versucht dabei, durch ein Hochwölben der Schulter die Position wieder zu entschärfen.
Wenn die Schulter nach hinten gedrückt wird, muss der Kopf in den Nacken gelegt werden, die Arme werden durchgestreckt und die Lendenlordose wird aufgehoben. Die Rückenmuskulatur kann den Oberkörper nicht mehr tragen und die Last muss von den Armen und Händen getragen werden.
Unglücklicherweise entsteht bei so einer Kompensationshaltung immer der Eindruck, daß das Fahrrad zu lang sei, weil man ja mit gestreckten Armen sitzt und den Kopf in den Nacken legen muss. Genau das Gegenteil ist der Fall, wie in der Abbildung 7a + b zu sehen ist.
Radfahren in korrekter Haltung ist ein hervorragendes Training für die Rückenmuskulatur. Die Rückenstrecker-Muskeln werden nämlich nicht nur durch die Haltearbeit am Oberkörper trainiert, sondern auch durch das Gegenhalten der Beinkraft und durch das Stabilisieren des Beckens.
Handgelenkprobleme sind Rückenprobleme.


